
„Ich will sofort das Boot verlassen, Skipper. Sofort ausbooten. Ich protestiere, und ich werde mich beschweren.“
„Dils,“ sagte der Kapitän jetzt sehr ernst, „damit will ich nichts zu tun haben. Dafür bin ich nicht verantwortlich.“
Für den Matrosen Gale ist niemand verantwortlich. Nach Verlust seiner Papiere findet er sich in einem Zustand der offiziellen Nichtexistenz, ohne Namen, ohne Land, ohne Rechte. Nachdem ihm jedes Land den Aufenthalt verweigert, landet er auf einem „Totenschiff“ – einem rostigen Frachter, dessen einziger Zweck es noch ist, zu sinken, damit sein Eigner die Versicherungsprämie kassieren kann. Die Proteste nutzen nichts. Gale wird das Schiff nicht mehr verlassen.
Mit beißender Ironie schildert Bruno Traven die absurden Erlebisse des Protagonisten als Namen- und Staatenloser, der schließlich als billige Arbeitskraft im wahrsten Sinne des Wortes verheizt wird. Zweifellos wusste der Autor, wovon er schrieb. Traven war nicht sein wirklicher Name. Obwohl Bestsellerautor in den 1920er Jahren, vielfach verfilmt – vom ‚Totenschiff‘ gibt es sogar eine Oper – ranken sich um seine Existenz Legenden. Vermutlich war er ein deutscher Anarchist, der mehrmals in seinem Leben Namen, Beruf und Heimat aufgab und sich in einem neuen Land eine neue Identität zulegte.
Das Totenschiff ist der erste Roman von Traven, den ich als Kind gelesen habe. Er hat mich so fasziniert, dass ich mir sofort sämtliche Traven-Bücher aus der Stadtteilbibliothek besorgte und in den nächsten Tagen und Nächten durchlas, mit entsprechenden Auswirkungen auf meine Schulleistungen. So ist Traven mitverantwortlich dafür, wenn aus mir nichts Gescheites geworden ist. Das Besondere an seinen Romanen ist der Stil, in dem er auch die dramatischsten Ereignisse mit trockenem Humor und in einer Detailfülle beschreibt, die einen sofort in die Situation hineinversetzt. Bruno Traven ist eines meiner literarischen Idole.
Auch im Roman „Im Bann der Freibeuter“ (nicht von B. Traven) nutzt dem Helden kein Protest: Er muss mit dem Schiff mit, ob er will oder nicht. An einer solchen Stelle steckt der vierte der im Buch verborgenen Hinweise, die zu einer Kiste mit einem Schatz aus der Piratenzeit führen. Obwohl ich schon einige Emails mit Vermutungen erhalten habe, hat noch kein Leser alle zehn Knoten gelöst. Der Schatz ist immer noch unbeansprucht. Alle Details zur Schatzsuche kann man hier nachlesen.